Verlängerung der Unsicherheit
Die Börse zeigt sich selbstbewusst trotz unsicherer Zeiten: Letzte Woche sprang der S&P 500 über die Marke von 7.000 Punkten und markierte am Freitag ein neues Rekordhoch – gleiches gelang dem Nasdaq 100 jenseits der 26.000 Punkte. Auslöser waren Nachrichten, dass der Iran die Straße von Hormus wieder geöffnet hat, was verschiedene Kreuzfahrtschiffe umgehend genutzt haben, die Sackgasse der Golfregion schnellstmöglich zu verlassen.
Die Situation für Öl- und Gastanker sowie Frachtschiffe bleibt aber unübersichtlich. Immerhin hat der US-Präsident letzte Nacht die zweiwöchige Waffenruhe kurz vor Ablauf nochmal verlängert, auch wenn der Terminplan für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen noch unklar ist. Die marktbreiten US-Indizes und der japanische Nikkei 225 haben in ihren Chartbildern damit eine V-förmige Erholung innerhalb von 7 Wochen abgeschlossen.
Für andere asiatische und europäische Aktienindizes ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen. Der DAX liegt rund 5 Prozent unter seinem Rekordstand von Mitte Januar beziehungsweise Ende Februar, auch wenn sich die Notierungen zuletzt über den 24.000 Punkten stabilisierten. Das Problem gestiegener Energiekosten lässt keine schnelle Lösung erwarten und belastet Unternehmen vornehmlich außerhalb des Leitindex: Die Zahl der Insolvenzen im ersten Quartal ist auf dem Höchststand seit 2005. Die Stimmungsindikatoren sind schlecht und das Vertrauen in wirksame Reformen fehlt. Nächste Woche tagen die Notenbanken und müssen wohl zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum abwägen. Auch wenn die Börse wie immer zum Sprung bereit steht – die Unsicherheit bleibt.


Newsletter vom 22. April 2026
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf
