US-Geldpolitik: Sorge vor politischen Einfluss überzogen

Wenn der Goldpreis als Barometer für Notenbankpolitik und Preisstabilität gilt, besteht seit der Präsidentschaft Trumps eine eskalierende Unsicherheit. Lag der Goldpreis Anfang 2025 noch unter 3.000 US‑Dollar je Feinunze, schwankt er inzwischen bei über 5.000 US‑Dollar. Das deutet auf ein schwindendes Vertrauen in den Werterhalt von Notenbankgeld und des US‑Dollar im Besonderen hin. Die Renditen zehnjähriger US‑Staatsanleihen bewegen sich hingegen in einer stabilen Bandbreite und sind seit Anfang 2025 eher gefallen.
Die Sorge, dass die Fed infolge politischen Drucks die Zinsen zu stark senkt, hängt maßgeblich vom Konjunkturverlauf in den USA ab. Bleibt die US‑Wirtschaft robust, besteht keine politische Notwendigkeit, Druck auf die Fed auszuüben. Das vierte Quartal fiel jedoch mit einem annualisierten Wachstum von 1,4 Prozent eher enttäuschend aus. Kühlt sich die US-Konjunktur ab, ergäbe sich ein erhöhter Spielraum für Zinssenkungen. Denn die Wirkung von Zöllen würden sich dann eher in sinkenden Margen als in steigender Inflation niederschlagen. Nur im Fall einer Stagflation – also einer Kombination aus steigender Inflation und gleichzeitig rückläufiger Wirtschaftsleistung – wäre die Fed einem erhöhten politischen Druck ausgesetzt.
Doch es sind die Kapitalmärkte selbst, die die Diskretion der Fed einschränken, außerhalb ihres Inflationsmandats zu handeln. Steigen die Inflationserwartungen, erhöhen sich auch die Inflationsprämien – und damit die realen Renditen. Würde die Fed die Zinsen also unverhältnismäßig stark senken, dürfte das lange Ende der Zinskurve, das für die Wirtschaft deutlich relevanter ist als der Leitzins, eher steigen als fallen.
Der US‑Staat ist jedoch zur Sicherung seiner Schuldentragfähigkeit auf niedrige langfristige Renditen angewiesen. Die Sorge vor politischem Einfluss auf die Fed erscheint daher überzogen. Vielmehr muss der Staat darauf achten, dass das lange Ende der Zinskurve unter Kontrolle der Fed bleibt, damit die langfristigen Zinsen niedrig bleiben. Voraussetzung dafür sind fest verankerte Inflationserwartungen.

Newsletter vom 25. Februar 2026
Dr. Klaus Bauknecht – Chefvolkswirt
IKB Deutsche Industriebank AG
Zum Newsletter anmelden
