SpaceX: Viel Fiction, wenig Aktienkultur

Dirk Arning

Über den Börsengang von SpaceX wurde viel berichtet. IPO und der bisherige Börsenhandel waren von einer gewissen Euphorie geprägt. Wer eine Aktienzuteilung erhielt, kann sich über Kursgewinne freuen. Der Aktienclub Coeln gehört nicht dazu. Denn unsere Analyse von SpaceX zeigt viel Fiction, aber wenig Aktienkultur. Die Investoren werden zu weitgehend rechtelosen Geldgebern gemacht. Elon Musk bleibt uneingeschränkter Gebieter über die Milliarden, die SpaceX einsammelt.

Der Wirrwarr verschiedener SpaceX-Aktienklassen wurde anlässlich des Börsengangs einfacher, aber auch transparenter: An der Börse gehandelt werden nur die Class-A-Aktien mit einfachem Stimmrecht. Die Class-B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht sichern Musk die absolute Kontrolle, denn diese befinden sich zu über 90 Prozent in seinem Besitz. Im Ergebnis kontrolliert Musk, obwohl er jetzt weniger als die Hälfte des Kapitals hält, über 80 Prozent aller Stimmrechte. Die Stimmenverteilung weicht also drastisch vom Kapitalanteil ab. Musk kann mithin von anderen Aktionären auf Hauptversammlungen niemals überstimmt oder als Chef abgesetzt werden. Für eine solche „Controlled Company“ greifen an der Nasdaq zudem gelockerte Vorschriften bei der unabhängigen Überwachung des Managements. Musk hat diese absolute Kontrolle über SpaceX auch auffällig langfristig und stark abgesichert: Verkaufen andere Insider ihre Class-B-Aktien an Außenstehende, wandeln sich diese automatisch in stimmrechtsarme Class-A-Aktien um. Und neue Class-B-Aktien dürfen, solange Musk das will, nur an ihn selbst ausgegeben werden, beispielsweise im Zuge von Boni. Erreicht SpaceX Unternehmensziele, kann Musk über solche Aktien-Boni seinen Anteil am Unternehmen erhöhen, ohne selbst einen Cent frischen Geldes zahlen zu müssen.
Die Minderheitsaktionäre müssen dann die Verwässerung ihres Anteils gleichsam auch noch selbst finanzieren. Eine Besonderheit im Börsenprospekt von SpaceX ist auch das Verbot von Aktionärs-Sammelklagen. Zu denken geben sollte Anlegern ferner, dass trotz des größten Börsengangs der Geschichte mit rund 86 Milliarden US-Dollar Einnahmen eine Anleiheplatzierung im Volumen von mindestens 20 Milliarden US-Dollar vorbereitet wird. Das alles spricht dafür, dass hier die aktuelle Euphorie genutzt wird, um von Anlegern viel Geld für die persönlichen Visionen von Elon Musk einzusammeln. Das Erreichen der Gewinnschwelle steht für den Konzern aber in den Sternen.

Newsletter vom 24. Juni 2026

Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“

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