Gold, Silber und Bitcoin nach dem Kurssturz

Seit Ende Januar hatten die vermeintlichen „sicheren Häfen“ heftige Kursverluste zu verzeichnen. Während beim Bitcoin allerdings schon im Herbst des letzten Jahres ein erster Rücksetzer erfolgte, stiegen die Preise für Gold und Silber am Anfang des neuen Jahres zunächst auf neue Rekordstände.
Der Einbruch bei Gold und Silber kann daher als notwendige Korrektur einer kurzfristig überzogenen Rallye in einem weiterhin intakten Aufwärtstrend gesehen werden. Auslöser für den vorangegangenen besonders steilen Anstieg waren insbesondere zunehmende Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed vor dem Hintergrund der bevorstehenden Nominierung eines Nachfolgers für den aktuellen Fed-Präsidenten Jerome Powell. Dass US-Präsident Trump mit Kevin Warsh einen ausgewiesenen Geldpolitik-Experten benannt hat, sorgte diesbezüglich für Beruhigung und die entsprechende Gegenbewegung.
Der Hintergrund für die schon seit Anfang 2025 anhaltende beschleunigte Aufwärtsbewegung der Gold- und Silbernotierungen sind allerdings strategische und damit langfristige Käufe von Notenbanken und großen internationalen Kapitalsammelstellen, die versuchen, zumeist sehr hohe US-Dollaranteile in ihren Portfolien zu reduzieren. Mangels Alternativen im Segment der klassischen Währungen weichen sie auch auf Edelmetalle aus. Da sowohl der Standort USA als auch der Dollar seit dem Amtsantritt Trumps an Vertrauen eingebüßt haben, dürfte diese neue Nachfragekomponente am Markt für Edelmetalle weiter relevant sein und perspektivisch für eine Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends sorgen. Zudem lassen weltweit steigende Staatsschulden, Versuche der Fiskalpolitik auf die Geldpolitik einzuwirken, um tiefere Leitzinsen zu erzwingen (fiskalische Dominanz) und die Aussicht auf höhere Inflationsraten in den kommenden Jahren sinkende Realzinsen erwarten. Gold- und Silber-Investments würden dadurch attraktiver werden.
Der gleiche Wirkungszusammenhang sollte auch beim Bitcoin für eine Stabilisierung der Kurse sorgen, denn im Vergleich zu stärker unter Inflation leidenden verzinslichen Staatsanleihen kann die Krypto-Anlage langfristig als besserer Wertspeicher dienen. Allerdings dürfte der doppelte Kurssturz seit den Höchstnotierungen im Oktober 2025 auch auf die Liquidierung großer Bitcoin-Bestände und kreditfinanzierter Positionen zurückzuführen sein. Kurzfristig ist es daher kaum möglich, ein Ende der Abwärtsbewegung zu prognostizieren.

Newsletter vom 18. Februar 2026
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
Zum Newsletter anmelden