Gewinnmitnahmen oder Sell-off?

Wer beim SpaceX-Börsengang eine Zuteilung erhielt und gleich am ersten Tag verkauft hat, haderte vielleicht mit seiner Entscheidung: Zeichnungsgewinne von 20 Prozent zwischen Ausgabepreis (117 Euro) und Schlusskurs am ersten Handelstag (142 Euro) sind eine tolle Rendite! Aber in der ersten Handelswoche zündete die Aktie den Booster und flog bis auf 195 Euro in astronomische Bewertungshöhen. Doch die Gravitation wurde nicht völlig außer Kraft gesetzt und Anfang dieser Woche kreiste der Kurs ähnlich wie seine 10.000 Starlink-Satelliten wieder im erdnahen Orbit bei gestern zeitweise 128 Euro. Laute Überschriften vom „600-Milliarden-Dollar-Absturz“ wirken hier gewaltig, errechnen sich aber nur über die Marktkapitalisierung von nicht-börsennotierten Stücken. Hier kommen erst im August weitere Papiere von frühen Investoren auf den Markt. Trotzdem bleibt SpaceX kapitalhungrig: Ein Anleihenbündel über 25 Milliarden Dollar zur Umschuldung wurde platziert und war trotz mauem Rating im BBB-Bereich 3,5-fach überzeichnet. An risikobereitem Geld scheint es nicht zu mangeln.

Insgesamt litten die Tech-Werte zum Wochenbeginn unter einem massiven „Sell-off“, gestartet über einen 10-Prozent-Kursrutsch beim KOSPI. Der süd-koreanische Leitindex wird von gefragten Chip- und Speicher-Aktien wie Samsung und SK hynix dominiert und verzeichnete Year-to-date bis zu 100 Prozent Zuwachs – trotz mehrfach starker Rückschläge. Diesmal leuchteten aber auch bei den erfolgsverwöhnten Magnificent-7-Aktien die Bremslichter rot auf: Der Glaube an die KI-Story bekommt angesichts der Sorgen vor einer restriktiveren US-Geldpolitik Risse.

Dem DAX – aktuell mal wieder unter der 25.000er Marke – macht die Tech-Schwäche strukturell bedingt wenig aus. Doch heute Vormittag patzt der Defence-Vorzeigewert Rheinmetall mit minus 15 Prozent: Ein großer Fregatten-Auftrag der Bundeswehr soll zum Mitbewerber TKMS wandern, dessen Aktie um bis zu 10 Prozent zulegt. Damit hat sich Rheinmetall vom Rekordstand aus Oktober glatt halbiert. Trotzdem bleibt die Branche in Bewegung: Als nächste Rüstungsaktie wagt sich die deutsch-französische KNDS aufs Börsenparkett.

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Newsletter vom 24. Juni 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf