Geopolitik belastet die Börsen

Martin Schilling

Nach einem guten Jahresbeginn ist die Unsicherheit an die Aktienmärkte zurückgekehrt. Vor dem Hintergrund immer neuer geopolitischer Krisen fragen sich die Anlegerinnen und Anleger zunehmend, wie es an den Börsen weitergeht?

Im gerade begonnenen Jahr hat Donald Trump einmal mehr seine Fähigkeit gezeigt, die Grenzen des Vorstellbaren weiter zu verschieben. Zunächst sorgte das Eingreifen der USA in Venezuela mit der Festnahme von Präsident Maduro für internationales Aufsehen. Eine weitere Eskalationsstufe zündete Donald Trump mit seinen Äußerungen hinsichtlich einer „Übernahme“ Grönlands durch die USA. Auch wenn zwischenzeitlich eine weitere militärische Eskalation in seiner Rede beim Wirtschaftsforum in Davos ausblieb und eine gewisse Deeskalation folgte, besitzt die aktuelle Nachrichtenlage eine extrem kurze Halbwertszeit und getroffene Absprachen können durch einen spontanen Kommentar des Präsidenten innerhalb von Sekunden obsolet werden.

Die zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten haben bislang nur relativ geringe Spuren an den Kapitalmärkten hinterlassen. Breite Aktienmarktindizes wie der S&P 500 oder Stoxx Europe 600 gaben zwar Teile ihrer Gewinne wieder ab, notieren seit Jahresstart aber weiterhin im positiven Bereich. Zu den klaren Profiteuren der aktuellen Gemengelage zählen Rüstungsaktien. Daneben erfüllt Gold erneut seine traditionelle Rolle als Stabilitätsanker.

Ist das nur die Ruhe vor dem Sturm und droht womöglich ein Einbruch der Märkte? Sollten Anlegerinnen und Anleger also aktiv werden und ihr Portfolio grundlegend umstellen? Unsere Meinung hierzu ist, dass solange sich die politischen Risiken nicht spürbar auf die wirtschaftliche Lage auswirken, es keinen Anlass für hektisches Handeln gibt. Ein Fokus auf langfristige Ziele und das Ausblenden tagespolitischer Schlagzeilen bleibt somit die sinnvollste Strategie. Bildlich gesprochen bedeutet dies: Scheuklappen aufsetzen und investiert bleiben. Diese Herangehensweise hat sich bereits im vergangenen Jahr während der Unruhen rund um den Liberation Day bewährt. Auch in der Corona Krise des Jahres 2020 zahlten sich ein kühler Kopf und ein langfristiger Anlagehorizont aus, während panikgetriebene Verkäufe sich als nachteilig erwiesen.

Newsletter vom 28. Januar 2026

Martin Schilling – Leiter Geschäftsstelle Private Banking Hannover
M.M. Warburg & CO

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