Deeskalation pusht die Indizes

Nach unzähligen martialischen Drohungen scheint der US-Präsident im Iran-Konflikt einen Kurswechsel zu versuchen: Letzte Nacht kündigte der via Social Media an, die kürzlich in „Project Freedom“ umbenannte Militärmission (von einem Krieg sollte er besser nicht sprechen) vorübergehend auszusetzen, um Fortschritte für ein Abkommen zu erleichtern. Die Entspannung deutete sich bereits Ende letzter Woche an und lässt sich in moderat sinkenden Ölpreisen (WTI knapp unter 100 USD), aber kräftig steigenden Aktienindizes ablesen. Im Wochenvergleich notiert der DAX heute Vormittag satte 1.000 Punkte oder 4,4 Prozent höher.

In den USA vermelden S&P 500 und Nasdaq 100 praktisch börsentäglich neue Rekordstände: Im Monat April haben marktbreite Large Caps um 10,5 und die Technologiewerte um 15,7 Prozent zugelegt – letzteres war die stärkste Monats-Performance seit 23 Jahren. Dem deutschen DAX fehlen zwar noch rund 500 Punkte zum Rekordstand, er hat aber letzten Monat um starke 7,1 Prozent zugelegt und steht oberhalb der 200-Tage-Linie.

Wenig Grund zu feiern gibt es in der deutschen Politik, ein Jahr nach dem Start der neuen Regierung. Der versprochene „Herbst der Reformen“ hat erst im Frühjahr zu Keimen begonnen und die Zustimmungswerte schmelzen dahin wie Eis in der Sonne – ebenso der Optimismus in der Wirtschaft und das Verbrauchervertrauen. Wenn sich die Koalitionäre nun auch in Deeskalation üben und konstruktiv zusammenarbeiten, besteht aber noch Hoffnung. Möge die Börsenstimmung ein Frühindikator für die Realität sein.

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Newsletter vom 6. Mai 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf