11. August 2021 13:00 Uhr

Nachhaltigkeit, unsystematisches Risiko und Diversifizierung

Prof. Dr. Stefan May - Leiter Anlagemanagement
Quirin Privatbank AG
 
Viele Anleger empfinden die eiserne Regel des Portfoliomanagements, unsystematische Risiken in jedem Falle zu meiden, als übertriebene Forderung. Insbesondere gehen sie davon aus, dass man dieser Maxime bereits gerecht wird, wenn man nur „ausreichend viele“ Aktien im Depot hat. Dies ist jedoch ein Missverständnis und die Missachtung dieser Regel kann insbesondere für die Wertentwicklung eines auf Nachhaltigkeit abstellenden Depots verheerende Auswirkungen haben.

Professionelles und wissenschaftlich fundiertes Anlagemanagement lässt sich in folgender Maxime zusammenfassen: „Meide unsystematische Risiken unbedingt und gehe systematische Risiken in kontrollierter Weise nur in dem Umfang ein, der zur Risikotragfähigkeit des jeweiligen Anlegers passt.“ Als Beispiele für unsystematische Risiken werden in der Regel eine zu starke Konzentration auf Einzeltitel sowie eine übermäßige regionale Schwerpunktsetzung genannt, z. B. auf den Heimatmarkt („home bias“).

Unsystematisches Risiko ist dabei aber kein feststehendes und nur ganz bestimmten Anlagen zugeordnetes Risiko, sondern es taucht - abhängig von der konkreten Marktentwicklung - in den unterschiedlichsten Bereichen und in unterschiedlichsten Facetten auf. Kurz: Unsystematische Risiken habe eine Vielzahl an Erscheinungsformen und Gesichter. Genau das ist auch der Grund, warum die unter Anlegern und manchmal sogar unter Portfoliomanagern verbreitete Überzeugung falsch ist, dass bereits eine „ausreichend große“ (was immer das heißen mag) Anzahl an Aktien in einem Depot genügt, um unsystematische Risiken zu eliminieren.

Ein zu großes Vertrauen in den risikomindernden Effekt einer scheinbar ausreichend großen Anzahl an Aktien und das damit einhergehende Sicherheitsgefühl führt z. B. bei Publikumsfonds häufig dazu, dass die in diesen Fonds schlummernden unsystematischen Risiken nicht als solche erkannt werden und man sie erst bemerkt, nachdem sie „schlagend“ wurden, d. h. die Kurse eingebrochen sind. Denn es gibt ein untrügliches Zeichen dafür, ob systematische oder unsystematische Risiken zugeschlagen haben: nämlich dann, wenn der Kurseinbruch trotz seitwärts oder nach oben gerichteter Marktbewegungen erfolgte.

Und genau das ist in den letzten Monaten in einem Bereich passiert, in dem unsystematische Risiken am wenigsten vermutet werden, sprich bei nachhaltigen Anlagen. Während sich der globale Gesamtmarkt in den Jahren 2020 und 2021 bis dato alles in allem sehr erfreulich entwickelt hat, sind eine Reihe von ausdrücklich als nachhaltig deklarierten Fonds erheblich eingebrochen - ein untrügliches Zeichen dafür, dass unsystematische Risiken zugeschlagen haben.     

Wir wollen aber an dieser Stelle nicht missverstanden werden. Dieser Beitrag ist kein Plädoyer gegen ein an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtetes Wertpapierdepot. Im Gegenteil: Auch wir sind der Überzeugung, dass dieses Segment aus gutem Grund eine große Zukunft vor sich hat. Wovor wir nur warnen möchten, ist, sich mit den besten Absichten lediglich auf eine große Anzahl an Aktien zu verlassen und dabei den Aspekt der Diversifikation sträflich zu vernachlässigen. Richtig verstandene Diversifikation ist deutlich mehr als nur „viele Aktien“ und kann mittlerweile auch im Rahmen von Nachhaltigkeitsdepots umgesetzt werden. Denn: Nachhaltigkeit geht auch ohne unsystematische Risiken.

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