07. April 2021 13:00 Uhr

Herdenrisiken

Prof. Dr. Stefan May
Quirin Privatbank AG
 
Besonders im Verlauf eines länger anhaltenden Börsenaufschwunges wird eine spezielle Art von Risiko, das sich vor allem in Marktübertreibungsphasen zeigt („Herdenrisiko“), durch die im Rahmen des Portfoliomanagements üblicherweise verwendeten Risikokennzahlen nicht bzw. nur unzureichend erfasst. Der besondere Wert der Diversifizierung über eine Vielzahl von Aktienkategorien hinweg wird deshalb besonders in solchen Marktphasen, wie wir sie auch aktuell beobachten, massiv unterschätzt.
 
Länger andauernde Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt erzeugen unter Anlegern häufig ein stark von Euphorie geprägtes Anlageverhalten. Die entsprechende Kauflaune erstreckt sich allerdings in der Regel nicht auf den breiten Gesamtmarkt, sondern konzentriert sich häufig in ausgewählten Aktienmarktsegmenten, wie derzeit beispielsweise im Technologiesektor. Die hierbei aufgrund der entsprechenden Rückschlaggefahren entstehenden speziellen Risiken („Herdenrisiken“) werden von der üblicherweise im Portfolio-Management verwendeten Risikokennzahl Volatilität allerdings nicht bzw. nur teilweise erfasst.

Während sich das Volatilitätsrisiko recht zuverlässig auf Basis längerfristiger Kurszeitreihen schätzen lässt, existieren zur Quantifizierung des Herdenrisikos - obwohl es von den meisten Marktteilnehmern durchaus als real angesehen wird - keine allgemein anerkannten Methoden. Aufgrund eines relativ stabilen inversen Zusammenhangs zwischen einer kurzfristig gemessenen Volatilität und der Marktentwicklung (Abbildung 1), besteht trotzdem die Möglichkeit, auch diese Art von Risiko einigermaßen zuverlässig einzuschätzen.
 
Eine vom Autor entwickelte und zur Kurzfrist-Volatilität in einem inversen Verhältnis stehende Kennzahl „Herdenrisiko“ (Abbildung 2) sowie ein entsprechender spezieller Diversifikationsmechanismus erlauben es, die Vorteile der Diversifizierung über eine Vielzahl verschiedene Aktienkategorien auch dann deutlich zu machen, wenn fast alle Anlagen scheinbar nur eine Richtung kennen, wenn sowohl historische als auch implizite Volatilitäten stark rückläufig sind und sich die Korrelationen zwischen den diversen Aktienkategorien immer weiter erhöhen.
 
Trotz der hohen Suggestionskraft der Grafik in Abbildung 2 geht es bei der Kennzahl „Herdenrisiko“ nicht um eine Art Timing-Model, sondern lediglich darum, Anleger auch in Marktübertreibungsphasen mittels Kennzahlen davon überzeugen zu können, dass eine breitest mögliche Diversifikation auch dann sinnvoll ist, wenn einzelne Marktsegmente durch die Decke gehen und sie das Gefühl haben, etwas zu verpassen.

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