31. März 2021 13:00 Uhr

Act local, think global: Wie grüne Wasserstoffstrategien ineinandergreifen

Sebastian Schmidt - Vorstand
Enapter AG


Das Thema Wasserstoff ist in aller Munde. Das grüne Molekül ist als wesentlicher Baustein für die Reduzierung von CO2-Emissionen mittlerweile anerkannt. Viele Strategien wurden auf europäischer, nationaler, regionaler und kommunaler Ebene gestartet, um eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen und nehmen stetig Fahrt auf. Doch wie greifen diese Bemühungen ineinander und welche Rolle spielt dabei ein Wasserstoffunternehmen wie die Enapter AG?

Es passiert viel in Sachen Wasserstoffindustrie. Doch die einzelnen Initiativen wirken oft wahllos und wenig verzahnt. Nicht immer wird deutlich, wie die Umsetzung der Strategien auf praktischer Ebene funktionieren soll und was sie für diejenigen bedeuten, die an den Grundlagen für grüne Wasserstoffanwendungen arbeiten. Es ist ein wenig wie bei den Matrjoschka, diesen ineinander schachtelbaren bunten russischen Puppen.

Beginnen wir auf Unternehmensebene: Enapter produziert sogenannte AEM-Elektrolyseure. Diese Elektrolyseure sind dank der modularen Bauweise frei skalierbar und reagieren flexibel auf die schwankende Stromzufuhr aus erneuerbaren Energiequellen.

Saerbeck, eine Klimakommune im Aufwind
In der Gemeinde Saerbeck in Nordrhein-Westfalen entsteht derzeit die erste Massenproduktionsanlage für diese Elektrolyseure. Der Enapter Campus soll neben der Produktionsanlage für bis zu 100.000 Einheiten jährlich auch ein Forschungs- und Entwicklungszentrum umfassen.  Die ersten Elektrolyseure sollen die Produktionsstätte Ende 2022 verlassen. Mit einem eigenen Bioenergiepark produziert die „Klimakommune“ Saerbeck schon jetzt das Zweifache ihrer benötigten Strommenge, PV Anlagen und ein naher gelegener Windpark verdoppeln diese nochmal. Das wird die Energiequelle für den Enapter Campus sein. Neben der Versorgung dieser Elektrolyseur-Massenproduktion mit erneuerbarer Energie hat Saerbeck die Wasserstoffmobilität im Visier: Die Kommune rechnet mit der Einrichtung einer wasserstoffbetriebenen Buslinie und einer Wasserstofftankstelle zwischen 2023 und 2025.

Saerbeck spielt eine wichtige Rolle in der Expansionsstory von Enapter. Genauso ist Enapter für die Entwicklung und Umsetzung grüner Wasserstoffprojekte in Saerbeck und darüber hinaus von zentraler Bedeutung. Denn auch wenn die Kommune eine ausgereifte Klimaschutzstrategie besitzt, die konkrete Wasserstoffanwendungen berücksichtigt, zeigen sich umfassendere Wasserstoffstrategien erst auf der Kreisebene.

Die Strategie im Kreis Steinfurt
Saerbecks Ambitionen für eine wasserstoffbetriebene Mobilität sind ein Teil des Masterplans des Kreis Steinfurt. Mit ihm war die Region Finalistin im Rennen um den Titel als „Modellregion Wasserstoff-Mobilität“ in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn der Kreis nicht gewonnen hat, so hat er doch sein Engagement für klimafreundliche Energie und Mobilität sowie das Preisgeld von 350.000 Euro dazu genutzt, um seine Strategie unter der Marke „HYMAT-Energie“ zu etablieren.

Ende 2020 hat der Kreis Steinfurt und energieland2050 e.V. das Kompetenzzentrum und Netzwerk für Wasserstoffmobilität ins Leben gerufen. Bei der Umsetzung des Masterplans soll Enapter eine Schlüsselrolle im Wissenstransfer und bei der Produktion von grünem Wasserstoff spielen. Der Masterplan sieht vor, bis 2030 das gesamte Spektrum der Wasserstoff-Infrastruktur zu realisieren: von der Produktion von grünem Wasserstoff über die Verteilung bis hin zur Wasserstoffmobilität.

Unter den 32 Projekten finden sich eine wasserstoffbetriebene Zugverbindung, die bis 2025 realisiert werden soll, regionale Wasserstoffkanäle und Wasserstofftankstellen und noch mehr Wasserstoff-Buslinien - alles gesteuert von dezentralen Teams, eines davon in Saerbeck.

Zusätzlich zu den Elektrolyseuren von Enapter, die eine Reihe dieser Projekte ermöglichen, wird Enapter als Teil des Saerbecker Kompetenzteams dazu beitragen, den Fokus des Netzwerks auf die Wasserstoffforschung, -entwicklung, -produktion, -speicherung, -nutzung und -logistik zu lenken. Solche Strategien auf Kreisebene bündeln die Fähigkeiten der Kommunen und ermöglichen die Umsetzung von Wasserstoff-Initiativen, zu denen jede für sich nicht in der Lage wären. Außerdem verbinden sie den Wasserstoff-Standort mit der umliegenden Region dank regionaler Pipeline-, Kanal- und Flughafenverbindungen.

Neue Industrie in Nordrhein-Westfalen
Die erfolgreiche Umsetzung des Masterplans von HYMAT-Energie ist ein wesentlicher Beitrag zur neuen Wasserstoffstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), die im November 2020 vorgestellt wurde. Deren Roadmap baut auf den drei Säulen Industrie, Mobilität sowie Energie und Infrastruktur auf.  Insgesamt soll der Bedarf an Wasserstoff in NRW wird bis 2050 auf 104 TWh anwachsen. Mit Investitionen in grünen Wasserstoff will das Land vom bevorstehenden Boom profitieren und die Emissionsreduzierung in der Industrie vorantreiben. Nicht zuletzt können so neue Arbeitsplätze geschaffen und alte ersetzt werden, die durch die Ablösung von den fossilen Brennstoffen verloren gegangen sind.

Bei der Vorstellung der Roadmap im vergangenen Jahr wies Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Landesminister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, auf Enapters Elektrolyseure als aktuelles Beispiel für die Art von Technologien hin, die NRW entwickeln und produzieren muss, um in der wasserstoffbasierten Industrie der Zukunft erfolgreich zu sein. Als weltweit einziger kommerzieller Hersteller von AEM-Elektrolyseuren ist Enapter in der perfekten Position, Kostensenkungspotenziale zu realisieren und damit die Verbreitung von grünem Wasserstoff voranzutreiben.

Deutschlands Ziele
Für Deutschland und Nordrhein-Westfalen liegen die Vorteile eines schnellen Umstiegs auf grünen Wasserstoff klar auf der Hand: Er ist ein wesentliches Instrument zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Außerdem kann Deutschland wieder einmal Innovationstreiber sein und so wirtschaftliche Chancen nutzen. Wasserstofftechnologie Made in Germany kann zum Exportschlager werden. Dafür bedarf es frühe Anwendungen, die die technologische Entwicklung aus der Praxis heraus vorantreiben.

Zusätzlich zu bereits bestehenden Programmen zur Entwicklung von Wasserstoff-Technologien wird die deutsche Wasserstoffstrategie ab 2020 mit einem Paket von 9 Mrd. Euro ausgestattet. Der erste Schritt ist die schnellere Einführung von Wasserstofftechnologien und die Etablierung eines starken und nachhaltigen innerdeutschen Marktes für die Produktion und Nutzung von Wasserstoff.

Betrachtet man die Ziele Deutschlands für den Aufbau einer sich selbst tragenden Wasserstoffwirtschaft, wird deutlich, wie sich Enapter hier einfügt. Die Bundesregierung plant, bis zum Jahr 2025 bis zu 5 GW an grüner Wasserstoffkapazität aufzubauen. Dazu wird sie den Aufbau und Betrieb von Elektrolyseuren unterstützen. Ein großer Teil könnte bereits im Jahr 2022 durch den Enapter Campus in Saerbeck in Betrieb gehen. Hier sollen modulare Elektrolyseure mit einer jährlichen Gesamtkapazität von 280 MW produziert werden. Das entspricht mehr als 5 Prozent des deutschen Ziels.

Investitionen in die Skalierung der Produktion von modularen Technologien wie AEM-Elektrolyseuren (und nicht nur in den Bau größerer Einzelanlagen) sind notwendig, um die Produktionskapazitäten aufzubauen, die die Nachfrage von Anfang an decken. Die dezentrale Produktion von grünem Wasserstoff macht unzählige Anwendungsfälle möglich, die zusammen zum Aufbau eines Wasserstoff-Ökosystems beitragen, das auch den europäischen Zielen entspricht.

Der Green Deal der EU
Die EU unterstützt den Ausbau von grünen Wasserstofftechnologien. Bis 2030 will sie mindestens 40 GW an Elektrolyseuren für erneuerbaren Wasserstoff installieren und bis 2050 grüne Wasserstofftechnologie im großen Maßstab in allen Sektoren einsetzen, in denen Emissionsminderungen nur schwer möglich sind. Dazu wird von - der EU finanziert - die European Clean Hydrogen Alliance in eine Reihe von sauberen Wasserstoffinitiativen investieren. Zusätzlich werden die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen. Die EU geht davon aus, dass bis 2050 180 bis 470 Mrd. Euro notwendig sind, um einen Markt für erneuerbaren Wasserstoff und die notwendige Produktions-Infrastruktur zu schaffen.

Beschleunigt wird diese Entwicklung vor allem von sogenannten „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEIs): Das kommende IPCEI Hydrogen unterstützt Unternehmen nicht direkt, weil das zu einem unausgewogenen Wettbewerb führen würde, aber es investiert in internationale Wasserstoff-Ökosysteme oder Wertschöpfungsketten. Genau solch eine Wertschöpfungskette entsteht in Saerbeck, Steinfurt und NRW. Sie hat großes Potenzial für eine grenzübergreifende Integration mithilfe der Rheinhäfen und der Beneluxländer. Die Unterstützung dieser Wertschöpfungsketten hilft der EU nicht nur, ihre Elektrolyseur-Ziele zu erreichen. Wenn Enapter das Kostensenkungspotenzial der AEM-Elektrolyseure weiter ausschöpft, werden diese zu einer führenden Wasserstoff-Produktionstechnologie und einzigartig für die Wertschöpfung auf deutscher und europäischer Ebene. Denn AEM ist eine europäische Technologie. Und mit B2B-Unternehmen wie Enapter schafft jede hier verkaufte Einheit weitere Wertschöpfung bei EU-Systemintegratoren und hilft der Branche dabei, zu wachsen.

Zwar gibt es auf globaler Ebene (noch) keine vergleichbare Wasserstoffstrategie. Aber es ist durchaus denkbar, dass UN-Gremien oder die UN-Klimagespräche einen Weg dorthin ebnen können. Ganz konkret hat die Mission Innovation Initiative - entstanden auf der COP21 in Paris - mit ihrer Hydrogen-Valley-Plattform einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Auch hier ist die Enapter-Technologie ganz konkret mit dem mit Wasserstoff betriebenen,  energieautarken „Phi Suea House“ vertreten.

Auch wenn die Ambitionen und Strategien auf höchster Ebene Wirkung haben, muss grüner Wasserstoff breitenwirksam zum Thema werden. Grüne Wasserstoffunternehmen wie Enapter können zu diesem strategischen Wachstum beitragen, indem sie auf allen Ebenen einen erkennbaren Mehrwert schaffen.

Kontakt

Sabrina Otto

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