21. Oktober 2020 13:00 Uhr

Danaher statt Dollar

Joachim Brandmaier - Börsenpraktiker 
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

Erinnern Sie sich an die Eurokrise? Es ist erst ein paar Jahre her, dass viele Experten den Euro allenfalls noch Monate vom Zusammenbruch entfernt sahen – mit Italien und Griechenland als den ersten Dominosteinen. Der Dollar dagegen stand damals fest wie eine Burg und schien die einzige echte Weltwährung zu sein. Es kam dann aber wieder mal anders als gedacht. Der Euro hat nicht nur überlebt, er notierte in den ersten Januartagen sogar auf dem höchsten Stand seit mehreren Jahren. An den Finanzmärkten ist die Gemeinschaftswährung gefragt wie lange nicht.

Das zeigt einmal mehr, dass Währungsprognosen oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben werden. Was wurde in der Vergangenheit nicht alles über die weitere Entwicklung von Euro und Dollar philosophiert und gestritten! Heute aber ist ein Euro praktisch genauso viel Dollar wert wie schon bei seiner Einführung vor 20 Jahren. Ein Anleger, der damals US-Aktien gekauft hat, hat somit durch Währungsschwankungen weder groß gewonnen noch verloren.

Aus gutem Grund setzen langfristig investierende Börsianer nicht auf den Dollar, den Euro, das Pfund oder den Schweizer Franken – sie investieren in Unternehmen! Etwa in Danaher, SAP, Reckitt Benckiser oder Nestlé. Denn es sind die Konzerne, die mit innovativen Ideen, attraktiven Produkten und immer höherer Produktivität echte Werte schaffen. Hier spielt für Anleger die Musik. Währungen übernehmen da allenfalls die zweite Geige.

Sicher, wer sich unbedingt exotische Titel aus Russland, Asien oder Südamerika ins Depot laden möchte, der erfährt in vielen Fällen recht bald, wie es sich anfühlt, wenn einem dauerhaft der Währungsgegenwind ins Gesicht bläst. Selbst wenn da mal eine Aktie dabei ist, bei der der Kurs ordentlich steigt: Die Währung fällt allzu oft noch schneller. Wer aber ein gut gemischtes Depot aus europäischen und amerikanischen Titeln sein Eigen nennt, der dürfte weiterhin ruhig schlafen können – und muss sich für Währungsschwankungen höchstens im Urlaub interessieren.

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