16. September 2020 13:00 Uhr

Brexit: a never ending story?

Dr. Martin Moryson - Chefvolkswirt Europa
DWS

Vor etwas mehr als vier Jahren haben die Briten entschieden, die wichtigste Freihandelszone der Welt zu verlassen. Nun, auch vier Jahre später ist das immer noch nicht ganz gelungen. Das Vereinigte Königreich ist zwar inzwischen aus der Europäischen Union ausgetreten; aber erst ab dem 1. Januar kommenden Jahres wird das Vereinigte Königreich auch nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes und der Zollunion sein. Was danach kommt, sollte eigentlich bis Ende September verhandelt sein, ist es aber noch nicht. Das lässt Befürchtungen eines ungeregelten Austritts wieder wach werden. Was würde das für Großbritannien und die EU bedeuten?

Im gewissen Sinne ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Wenn Unternehmen und Konsumenten planen, lassen sie sich nicht nur von der aktuellen Faktenlage leiten, sondern auch davon, was sie für die Zukunft erwarten und davon, wie sicher sie sich ihrer Erwartungen sein können. Ein Blick auf die Investitionen zeigt, dass im Grunde seit dem Brexit-Referendum die Anlageinvestitionen im Vereinigten Königreich stagnieren, während sie in der Eurozone kräftig angestiegen sind. Investoren schätzten das zukünftige Wachstum auf der Insel niedriger ein und sahen sich großer Unsicherheiten bezüglich der weiteren Entwicklung gegenüber. Auch die Corona-Pandemie hinterlässt unterschiedliche Spuren. Der Absturz der Investitionstätigkeit fällt in Großbritannien deutlich größer aus. Nicht zuletzt wegen des EU Wiederaufbaufonds erwarten wir zudem, dass sich die Eurozone auch schneller erholt als das Vereinigte Königreich.

Und wenn Großbritannien ohne ein Abkommen aus Zollunion und Binnenmarkt ausscheidet? Wir gehen davon aus, dass Großbritannien dann Anfang kommenden Jahres in eine weitere Rezession fallen würde, die noch einmal drei Prozent des britischen Wachstums kosten könnte. Auch die Eurozone würde etwas leiden, aber deutlich weniger. Wir würden im Falle eines No-Deal-Brexits vielleicht ein Viertel Prozentpunkt weniger Wachstum für die Eurozone erwarten. Die Machtverhältnisse der Verhandlungspartner sind damit also ziemlich klar.

Was folgt daraus? Mein Fazit wäre dreierlei:
Erstens kann man davon ausgehen, dass man sich doch noch auf irgendeine Art von Abkommen im Laufe dieses Jahres einigen wird können.

Zweitens wird sich dieser Deal stärker an den Interessen der EU als an denen Großbritanniens orientieren. Schließlich machen die Exporte in die Eurozone mehr als zwölf Prozent der britischen Wirtschaftsleistung aus, während die Exporte nach Großbritannien lediglich für vier Prozent des BIP’s der Eurozone stehen.

Drittens wird es ein Minimalabkommen sein. Zahlreiche komplizierte, aber wichtige Fragen werden voraussichtlich im kommenden Jahr noch weiter verhandelt werden müssen oder gar in den Jahren danach. Das heißt, die Unsicherheit wird noch länger hoch bleiben - mit entsprechenden Auswirkungen auf Investitionen, Produktionspotential und Wachstum in Großbritannien.

Und ganz zum Schluss noch eine Anmerkung. Auch wenn sich der Nutzen von Globalisierung und Freihandel oft nur sehr schwer quantifizieren lässt, hier ist dies möglich. Vielleicht sorgt dieses Beispiel dafür, dass die Globalisierung wieder mehr Freunde gewinnt.

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