01. Juli 2020 13:00 Uhr

Das Drama von hohen Schulden und niedrigen Zinsen…

Carsten Mumm - Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

Vor kurzem wurde vom Kabinett ein adjustierter Haushaltsplan für das Jahr 2020 gebilligt, der eine Netto-Neuverschuldung des Bundes in Höhe von 218,5 Mrd. Euro vorsieht. Finanziert wird dadurch unter anderem das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket der Bundesregierung. Zudem werden aufgrund des erwarteten heftigen Konjunktureinbruchs die Steuereinnahmen deutlich geringer ausfallen als geplant. Sogar die Schuldenbremse wurde aufgrund der derzeitigen Ausnahmesituation vorübergehend ausgesetzt. Nachdem der Bund seit 2011 kontinuierlich die Staatschuldenquote, also das Verhältnis von Gesamtschulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), senken konnte und zuletzt jahrelang ein Haushaltsplus zu verzeichnen hatte, steigt die Verschuldung Deutschlands in diesem Jahr sprunghaft von unter 60 Prozent auf voraussichtlich knapp 80 Prozent an.

Zwar klingen diese Entwicklungen dramatisch, allerdings steht Deutschland damit im internationalen Vergleich immer noch sehr gut da. Frankreich und Italien werden in diesem Jahr Schuldenniveaus von bis zu 120 bzw. 160 Prozent erreichen. Die US-Staatsverschuldung tendiert in Richtung 130 Prozent und in Japan dürften sogar 250 Prozent erreicht werden.

Es ist zudem davon auszugehen, dass im Zuge des zu erwartenden wirtschaftlichen Aufschwungs ab dem zweiten Halbjahr 2020 ein Teil der deutschen Schulden schon wieder abgebaut werden kann. Genauso sehen es die führenden internationalen Ratingagenturen Fitch, Moody`s und Standard & Poor`s, die erst kürzlich die bestmögliche Bonitätsnote „AAA“ für die Bundesrepublik bestätigt haben. In der Begründung wurden die Konjunkturmaßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums positiv bewertet, denn bei Staaten spielt nicht die absolute Staatsverschuldung, sondern immer das Verhältnis zum BIP die entscheidende Rolle.

Eine Option zum Schuldenabbau wäre das Sparen, was demokratisch legitimierten Regierungen jedoch oftmals schwerfällt. Damit bleibt gerade für Staaten, die auch künftig eine relativ geringe Wachstumsdynamik aufweisen ein weiterer Weg, um die Schuldenberge langsam zu relativieren: die finanzielle Repression. Voraussetzung dafür ist ein möglichst niedriges Nominalzinsniveau bei im Vergleich dazu höherer Inflation. Auf diese Weise sinkt der reale Gegenwert der Schulden sukzessive ab. Zwar ist trotz enormer Liquiditätsflut durch geld- und fiskalpolitische Rettungsprogramme eine starke Inflationierung in den kommenden Jahren nicht sicher, aber zumindest werden die Notenbanken dafür sorgen, dass die Nominalzinsen noch jahrelang auf den aktuellen Niedrigstniveaus verharren werden.

Für Anleger bieten verzinsliche Anlagen somit auch künftig nur unter Inkaufnahme erhöhter Risiken die Möglichkeit zur Erhaltung der Kaufkraft. Weiterhin werden hingegen Realwerte, u.a. Aktien, Immobilien und Gold gefragt bleiben.

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