27. Mai 2020 13:00 Uhr

Wer soll das alles bezahlen?

Dr. Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa
DWS

In einem - zumindest in Friedenszeiten - noch nie dagewesenen Umfang verabschieden die westlichen Industriestaaten derzeit Rettungs- und Stimulierungspakete. So schätzt der Internationale Währungsfonds, dass in diesem Jahr die Staatsschuldenquote in der Eurozone von 84 Prozent auf 97 Prozent steigt. Da drängt sich die Frage auf, wer das alles bezahlen soll.

Gemäß dem „Bewegungsgesetz der Staatsschulden“ gibt es drei Möglichkeiten, die Staatsschuldenquote zu reduzieren: Wachstum, Primärüberschüsse oder Schuldenschnitte.
Wenn die Staaten einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, sinkt die Staatsschuldenquote, wenn r<g, das heißt, wenn das (reale) Wachstum g größer ist als der Realzins r. Oder anders ausgedrückt, wenn der Nominalzins i kleiner ist als das Nominalwachstum g+ ?. Wie wahrscheinlich ist das? Nun, das Wachstum in der Eurozone ist seit Jahren schwach und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass das Potentialwachstum in den nächsten Jahren sogar noch schwächer ausfallen wird: Zusätzlich zu den langfristigen Folgen der Corona-Pandemie treten eine schwache Demografie und ein seit Jahren sinkendes Produktivitätswachstum. Dass Europa (real) aus den Schulden rauswächst, ist also höchst unwahrscheinlich. Auch mit der Inflation ist es so eine Sache. Ob die Corona-Pandemie langfristig für mehr oder weniger Inflation sorgt, ist alles andere als ausgemacht. Sollte allerdings die Inflation zurückkommen, werden die Zentralbanken und insbesondere die EZB wenig dagegen unternehmen wollen. Ein „Weginflationieren“ der Schulden ist immer noch der bequemste Weg. Ob dieser allerdings beschritten werden kann, ist, wie gesagt, höchst ungewiss. Der Erfolg der EZB in Sachen Inflation ist ja recht überschaubar.

Will man Schuldenschnitte ausschließen, bleiben also nur noch Primärüberschüsse. Diese können durch Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen generiert werden. Ausgabenkürzungen - oder vornehmer ausgedrückt Haushaltsdisziplin - hat in Europa nach zehn Jahren „Austerität“ keinen guten Ruf mehr. Insofern bleibt als letzter Ausweg die Erhöhung der Steuern. Entsprechende Diskussionen haben längst begonnen.

Anleger werden sich also vermutlich auf Zeiten mit niedrigeren Realzinsen und perspektivisch höheren Abgaben einrichten müssen. Keine schönen Aussichten, aber irgendwer muss das ja schließlich alles bezahlen…

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