20. Mai 2020 13:00 Uhr

Die neuen Rainbow Warrior

Rolf D. Häßler - Geschäftsführer
NKI Institut für nachhaltige Kapitalanlagen

Neben dem Pariser Weltklimaabkommen hat sich die Staatengemeinschaft 2015 auf ein zweites wegweisendes Abkommen verständigt: die Agenda 2030 für eine globale nachhaltige Entwicklung. Herzstück dieser Agenda ist ein Katalog von 17 Haupt- und 169 Unterzielen für eine nachhaltige Entwicklung - die Sustainable Development Goals (SDGs). Darin werden die Staaten aufgefordert, einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten, indem sie unter anderem Armut und Hunger bekämpfen, Bildung und Gesundheitsversorgung verbessern sowie Umwelt und Klima schützen.

Obwohl als Roadmap für Staaten konzipiert, nutzen auch immer mehr Unternehmen die SDGs als Referenz für ihre nachhaltigkeitsbezogenen Maßnahmen. Im Rahmen eines „SDG-Mappings“ stellen sie eine Verknüpfung zwischen ihren Maßnahmen im Umwelt- und Klimaschutz oder im Umgang mit dem Personal mit einzelnen der 17 Ziele her. Während dies etwa bei Fortschritten beim Energieverbrauch von Produktionsprozessen und Produkten - SDG-Ziel 13: Klimaschutz - oder bei der Zahlung existenzsichernder Löhne in den Ländern des globalen Südens - SDG-Ziel 1: Armut beenden - noch gut nachvollziehbar ist, fällt eine solche Zuordnung bei anderen Mappings schon schwerer. Ob nun im Sinne der SDGs das Angebot eines vegetarischen Gerichts in der Kantine einen spürbaren Beitrag zum Schutz der Biodiversität leistet oder das Sponsoring von Firmenläufen ein gesundes Leben fördert, ist zumindest zu hinterfragen.

Nichtregierungsorganisationen sehen diese in ihren Augen unreflektierte Bezugnahme auf die SDGs durch die Unternehmen inzwischen so kritisch, dass hier – in Anlehnung an die farbenfrohe Gestaltung der Kommunikation der SDGs und den bereits etablierten Begriff des „Green Washing“ – von „Rainbow Washing“ gesprochen wird. Vereinzelt ist sogar von einem „Kidnapping“ der SDGs durch die Wirtschaft die Rede.

Was wir brauchen, sind verbindliche Standards für die Nutzung des SDGs als Referenz für Aktivitäten der Unternehmen - insbesondere dann, wenn diese in der Kommunikation mit Kunden und damit zur Reputations- und Verkaufsförderung genutzt werden. Dazu müssen Banalitätsgrenzen gesetzt und klare Regeln definiert werden, unter welchen Bedingungen sich die Unternehmen auf die SDGs beziehen dürfen. Dazu muss ein nachvollziehbarer Prozess etabliert werden, den die Unternehmen durchlaufen müssen, um die SDGs nutzen zu dürfen. Dazu muss es aber vor allem eine unabhängige Prüfung der Maßnahmen der Unternehmen geben, die für sich in Anspruch nehmen, eine globale nachhaltige Entwicklung zu fördern.

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