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05. Februar 2020 13:00 Uhr

Angst vor Coronavirus - keine Panik

Sönke Niefünd - Direktor
Merck Finck Privatbankiers AG


Bei unvorhersehbaren Ereignissen, wie dem Coronavirus, sollten Anleger nicht in Panik geraten und auf eine breit diversifizierte Strategie setzen. Ein gut gemanagtes Portfolio ist weitgehend vor der jüngsten Volatilität geschützt, da sich „Safe-Haven“-Anlagen wie Gold oder US-Staatsanleihen gut gehalten haben. Wir bleiben bei unserer positiven Einschätzung dieser Anlagen und ändern unsere Positionierungen nicht. Eine Korrektur könnte neue Investitionsmöglichkeiten eröffnen.

Ende Dezember 2019 wurde erstmals der Ausbruch einer neuen Krankheit in der Stadt Wuhan gemeldet. Das Virus, das die Krankheit auslöst, wurde als ein neues Coronavirus identifiziert, das die Artenbarriere überschritten hatte und sich in der menschlichen Bevölkerung ausbreitete. Das Virus ist zurzeit als 2019-nCOV bekannt und die Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwird, ist seit der letzten Woche dramatisch gestiegen, als die Zahl der Infizierten exponentiell zunahm, immer mehr Todesopfer zu verzeichnen waren und bekannt wurde, dass das Virus zur gleichen Typologie wie das berüchtigte SARS-Virus (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) gehört. Die Erinnerung an SARS, dem 774 Menschen in 34 Ländern zum Opfer fielen (bei 8.098 Infizierten entspricht das einer Sterblichkeitsrate von knapp 10 Prozent), ist in der Region noch sehr lebendig und trägt zur wachsenden Beunruhigung bei.

Doch China und die restliche Welt haben ihre Lehren aus dem SARS-Ausbruch gezogen und die Behörden haben in der gegenwärtigen Krise schneller, energischer und transparenter als damals reagiert. China unternahm den beispiellosen Schritt, Wuhan effektiv unter Quarantäne zu stellen und hat in der Region ein Reiseverbot verhängt, von dem 36 Millionen Menschen betroffen sind. Experten bezweifeln jedoch, dass diese Maßnahmen die schnelle Ausbreitung des Virus aufhalten werden. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Virus eine Inkubationszeit von 5 bis 10 Tagen aufweist. In diesem Zeitraum können andere Menschen angesteckt werden und es ist sehr wahrscheinlich, dass tausende infizierter Menschen aus Wuhan geflohen sind, bevor die Quarantäne verhängt wurde. Das Tor zu schließen, wenn das Pferd bereits aus dem Stall geflohen ist, wird hier nicht helfen. Andere Maßnahmen jedoch, wie Massenansammlungen und den Verkauf von Wildtieren, die als mögliche Infektionsquelle gelten, zu verbieten, könnten dazu beitragen, die Ausbreitung der Infektion einzudämmen.

Grobe Einschätzung der Situation
Es ist zwar noch zu früh, die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft genau einzuschätzen, da auf epidemiologischer Ebene noch sehr viel Unsicherheit besteht, doch wir können aus dem, was wir bereits wissen, eine grobe Einschätzung der Situation gewinnen. Wie schwerwiegend die Auswirkungen des Coronavirus sein werden, hängt davon ab, wie hoch seine „Angriffsrate“ (der Anteil der Menschen, die erkranken) und seine „Todesfallrate (der Anteil der Todesfälle unter den Infizierten) sein werden. Einer ersten groben Einschätzung zufolge steckt jede infizierte Person 1,5 bis 2,5 andere Menschen an. Das bedeutet, dass die Krankheit nicht von allein enden wird.

Doch die Todesfallrate, die zurzeit bei gut zwei Prozent liegt, scheint erheblich niedriger als damals bei SARS zu sein und die meisten Todesfälle waren bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen zu verzeichnen. Zum Vergleich: Es wird geschätzt, dass 20.000 bis 60.000 Menschen allein in den USA jedes Jahr an der Grippe sterben. Und da das Coronavirus gut bekannt ist und die chinesischen Behörden bereits den genetischen Code dieser neuen Variante veröffentlicht haben, gehen Experten davon aus, dass ein Impfstoff innerhalb eines Jahres verfügbar sein wird. Obwohl wir es hier also mit einer schwerwiegenden Gesundheitskrise zu tun haben, scheint eine Panik übertrieben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Krise keine Auswirkungen auf die Wirtschaft oder den Markt haben wird. Ohne Frage gibt es direkte Auswirkungen auf die betroffene Region, da Wuhan ein wichtiger  Verkehrsknotenpunkt in der Region ist und ein wichtiges Produktionszentrum für die ohnehin schon angeschlagene Automobilindustrie. Außerdem steht außer Frage, dass die Reise-, Tourismus- und Freizeitindustrie weltweit schweren direkten Schaden nehmen könnte. Die psychologischen Auswirkungen auf das Verbrauchervertrauen könnten den bereits schwächelnden Gesamtkonsum in China weiter untergraben, wie schon während des SARS-Ausbruchs zu beobachten war: Das Wachstum der chinesischen Einzelhandelsumsätze verlangsamte sich von 9,2 Prozent im Dezember 2002 auf 4,3 Prozent im Mai 2003*, was das chinesische Gesamtwachstum schätzungsweise um 1,5 Prozent schmälerte.

Kompensierende Effekte könnten die Auswirkungen der Krise abmildern
Die Auswirkungen der Krise auf andere Sektoren sind bereits sichtbar. Zum Beispiel ist der starke Rückgang des Ölpreises eine direkte Auswirkung des zu erwartenden Einbruchs beim Flugverkehr. Es ist abzuwarten, ob sich ein anhaltender Konsumeinbruch auf die Investitionspläne auswirken wird, doch es ist unwahrscheinlich, dass die Unternehmen ihre Investitionen schnell einstellen werden, es sei denn, es bestätigt sich, dass das Virus wesentlich stärker ist, als die bisherigen kurzlebigen Virusausbrüche nahelegen. Und höhere Staatsausgaben für das Gesundheitswesen könnten den angeschlagenen Konsum zumindest teilweise ausgleichen. Eine weiter zunehmende Risikoaversion auf den Finanzmärkten würde die negativen Auswirkungen auf die Nachfrage ggf. noch verstärken, da die Kapitalkosten für Unternehmen dadurch unter Umständen steigen. Andererseits könnten kompensierende Effekte die Auswirkungen der Krise abmildern. Niedrigere Ölpreise dürften die Auswirkungen für Verbraucher in westlichen Ländern abfedern. Die Finanzströme in Richtung „Safe Haven“-Anlagen drücken die Zinsen bereits wieder nach unten und bewahren Kreditnehmer teilweise vor den Auswirkungen höherer Zinsaufschläge. Einer Analyse von 2004 zufolge verursachte die SARS-Krise einen Produktionsverlust von etwa 40 Mrd.US-Dollar für die Weltwirtschaft. Einige (umstrittene) Studien setzen auf einem viel höheren Niveau an. Wichtig ist jedoch, dass man sich allgemein darüber einig ist, dass ein Großteil dieses Verlustes ziemlich schnell wieder ausgeglichen wurde, als die Krise allmählich nachließ. Natürlich ist China seit 2003 besonders stark gewachsen - womit sich sein Anteil an der Weltwirtschaft bis heute auf gut 17 Prozent vervierfacht hat.

Doch solange die epidemiologischen Unsicherheiten die wirtschaftlichen Unsicherheiten noch verstärken, ist der Versuch, die potenziellen Auswirkungen von 2019-nCOV auf China und die Weltwirtschaft genauer zu erfassen, ein unmögliches Unterfangen. Während die Märkte also logischerweise die erhöhten Risikoprämien in die am direktesten exponierten Reise- und Freizeitsektoren einpreisten, kamen sie gleichzeitig zu dem Schluss, dass Aktien in den Sektoren Pharma und Gesundheit von der Krise profitieren dürften. Und „Save Haven“-Anlagen wie deutsche Bundesanleihen, US-Staatsanleihen, Gold, Schweizer Franken und der japanische Yen profitierten ebenfalls.

Anleger mit einem gut gemanagten, diversifizierten Portfolio sind daher bisher weitgehend vor den Auswirkungen der neuen Virusverbreitung geschützt. Außerdem betrachten viele die Situation um das Coronavirus als genau den Funken, den die Kapitalmärkte für eine gesunde und wohl überfällige Anpassung der Risikoprämien nach der sehr starken Performance der vergangenen Monate brauchten. Eine Korrektur könnte neue und interessantere Anlagemöglichkeiten eröffnen. Wir halten an unserer derzeitigen Anlagestrategie fest und raten zu diversifizierten Portfolios, in denen zu unseren bevorzugten „Safe Haven“-Anlagen weiterhin Gold sowie US-Staatsanleihen gehören. Anleger sollten nicht in Panik verfallen, ihre defensiven Positionen als Teil einer diversifizierten Strategie halten und genau beobachten, ob es Anzeichen dafür gibt, dass der Ausbruch unter Kontrolle gebracht wird.

*Quelle: Staatliches Amt für Statistik der Volksrepublik China

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