Die Skontroführer an der Börse Hamburg und der Börse Hannover so wie der Market Maker an der Lang & Schwarz Exchange sind in allen Marktsegmenten b.a.w. von den Ausführungsgarantien befreit.
29. Januar 2020 13:00 Uhr

Globale Zinswende aus China?

Prof. Dr. Stefan May - Leiter Anlagemanagement
Quirin Privatbank AG


Selbst wenn sich das derzeit diskutierte Szenario einer von China ausgelösten globalen Zinswende bewahrheiten sollte, wäre dies nicht der „Untergang des Abendlandes“, sondern eher eine Rückkehr zu „normalen“ Verhältnissen in den internationalen Handelsbeziehungen. 

Angesichts der seit Jahren fallenden Zinsen (Abb. 1) und aktuellen geldpolitischen Lage sind derzeit nur schwer ökonomische Konstellationen vorstellbar, die auf globaler Ebene für steigende Zinsen sprechen.

Trotzdem wird seit einigen Monaten unter Volkswirten und Finanzmarktanalysten ein Szenario diskutiert, welches tatsächlich das Potential hat, eine globale Zinswende einzuleiten. Dieses Szenario lautet im Wesentlichen wie folgt: Ausgelöst durch den Handelsstreit mit den USA, macht die chinesische Administration ernst mit ihrem seit längerem geplanten Vorhaben, die sogenannte ökonomische „Umsteuerung“ der chinesischen Volkswirtschaft einzuleiten. „Umsteuerung“ bedeutet im Wesentlichen, dass sich Chinas Volkswirtschaft von ihrer starken Exportorientierung löst und seine Wirtschaftspolitik stärker an der Binnenkonjunktur ausrichtet. Für den Außenhandel wäre damit ein Rückgang der Exportüberschüsse Chinas, v.a. gegenüber den USA verbunden. Tatsächlich zeigen neuere Handelsbilanzzahlen in diese Richtung (Abbildung 2).

Der Bezug zu den globalen Zinsen wird nun über die Kapitalbilanz hergestellt: Exportüberschüsse gegenüber den USA bedeuten auf der Kapitalseite zwingend, dass China per Saldo amerikanische Wertpapiere erwirbt, d.h. konkret als Nachfrager nach amerikanischen Festverzinslichen auftritt. Werden diese Überschüsse nun reduziert, oder verwandeln sich langfristig sogar in Exportdefizite, dann entfällt auch ein gewichtiger Anteil der Gesamtnachfrage nach amerikanischen Treasuries. Die Folge wären fallende Kurse und steigende Renditen bzw. Zinsen. Aufgrund der schieren Größe des amerikanischen Kapitalmarktes würde dies vermutlich auch auf globaler Ebene einen Anstieg der Zinsen bewirken, was durchaus auch zu (vorübergehenden) Einbrüchen an den Aktienmärkten führen könnte.

Doch so wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, bedeutet auch die in Abbildung 2 gezeigte Entwicklung nicht, dass das oben skizzierte Szenario tatsächlich eintritt. Doch unabhängig davon, ist m. E. vor allem der folgende Aspekt relevant: Selbst, wenn sich dieses Szenario bewahrheitet, würde dies realwirtschaftlich betrachtet eigentlich zu einer Normalisierung der internationalen Handelsbeziehungen führen. Denn die Situation, die seit Jahrzehnten besteht - ein Kapitalbilanzdefizit Chinas -, ist eigentlich ein „kranker“ Zustand: Ein sich erst entwickelndes Land (China) vergibt Kredite an das entwickelteste Land, die USA. Das skizzierte Szenario läuft nun darauf hinaus, dass sich diese Situation umdreht: Wenn Chinas Nachfrage nach amerikanischen Wertpapieren entfällt oder gar durch chinesische Neu-Emissionen Kapital aus den USA und Europa abgezogen wird (und China tatsächlich zu einem Kapitalbilanz-Überschuss kommt), China also Netto-Schuldner wird, heißt dies realwirtschaftlich, dass ein sich entwickelndes Land (China) Kredite bei entwickelten Ländern (USA/Europa) nimmt. Dies ist der eigentliche Normalzustand und eine Rückkehr zu "normalen" Zeiten sollte niemand fürchten - trotz möglicher, damit verbundener Marktverwerfungen.

Kontakt

Ansprechpartner

Sabrina Otto

Newsletter
Tel: +49 (0)511 - 12 35 64 - 0
newsletter@boersenag.de
Nutzen Sie für Ihre Suche die aktivierbaren Filtermodule. Sie haben auch ohne die Eingabe eines Suchwortes/ISIN/WKN die Möglichkeit, die Ergebnisse mit Hilfe der anderen Filtermodule einzugrenzen. Die Ergebnisliste aktualisiert sich automatisch 3 Sekunden nach der letzten Änderung oder durch Klick auf den "Suche starten" Button.

Suchwort/ISIN/WKN

Wertpapiergruppe

Fondsart

Art

Branche

Emissionswährung

Land

Indexzugehörigkeit

KVG

Anleihenemittent

Ausgabeaufschlag

0% +20%

Zinssatz

0% +20%

Rendite

0% +20%

Vortagesdifferenz

-20% +20%

Volatilität 1 Jahr

-20% +20%

Volatilität 3 Jahre

-20% +20%

Volatilität 5 Jahre

-20% +20%

Performance 1 Jahr

-20% +20%

Performance 3 Jahre

-20% +20%

Performance 5 Jahre

-20% +20%