27. November 2019 13:00 Uhr

Japanisierung der Eurozone?

Thomas Scholz - Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

 
Europa Ende 2019: Das Wachstum ist schwach, aus der geldpolitischen Normalisierung ist nichts geworden, und Zinsen sowie Inflation sind phasenweise so tief wie noch nie. Dies erinnert an Japan, das seit Jahrzehnten mit niedrigen und zuletzt sogar negativen Realzinsen, erodierendem Wirtschaftswachstum und Deflation lebt. Drohen uns in Europa japanische Verhältnisse? Dazu Thomas Scholz von der Hannoverschen Volksbank auf Basis von Informationen des Fondspartners Union Investment.

Seit dem Platzen der Immobilien-, Kredit- und Aktienmarktblase Mitte der 1990er Jahre nehmen die japanischen Unternehmen keine Kredite mehr auf, sondern sparen. In der Eurozone ist dieses Phänomen ebenfalls zu beobachten. Vor allem in Deutschland, aber auch in Spanien und in Italien ist der Finanzierungssaldo der Unternehmen positiv, das heißt, die Unternehmen sparen mehr als sie investieren. Eine wichtige Bestimmungsgröße für das Zinsniveau - nämlich die Bereitschaft zu investieren, um produktiver zu werden - weist also Parallelen zwischen beiden Wirtschaftsräumen auf. In Japan war der Trend lediglich früher zu beobachten, womit das Land bereits seit annähernd 25 Jahren im Niedrigzinsumfeld verharrt.

Dieses Muster gilt auch für die Geldpolitik: Ob Nullzinspolitik oder quantitative Lockerung, auch die Bank of Japan hat so gut wie jedes auch in Frankfurt im Einsatz befindliche unorthodoxe Instrument zuerst angewendet. Ähnliches auch beim Thema Demografie: In Japan schrumpft die Erwerbsbevölkerung seit 1995, im Euroraum dürfte es ab etwa 2020 so weit sein. Gleichzeitig führen niedrige Arbeitslosenquoten zu weniger starken Lohn- und Preisanstiegen als früher. Auch dies ist ein Grund für die Verfestigung negativer Realzinsen.

Doch es gibt auch Unterschiede. So zeigt sich der europäische Arbeitsmarkt trotz aller Rigiditäten flexibler als der japanische. Auch waren die Vermögenspreisblasen in Japan deutlich stärker ausgeprägt als in der Eurozone. Für die Aktienmärkte trifft ein ähnlicher Befund zu. Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 60 waren bei japanischen Aktien keine Seltenheit. Davon ist man in der Eurozone bei einem aktuellen Wert von etwa 13 weit entfernt.

Und schließlich gilt der Yen als ein klassischer „sicherer Hafen“. Naht eine Krise, holen die Japaner im Ausland investierte Gelder zurück. Beim Euro ist es umgekehrt. Wird das Umfeld schwierig, ziehen sich vor allem ausländische Investoren aus der Währungsunion zurück, der Euro wertet ab. Das ist ein guter Puffer für die Exportindustrie und für internationale Investments von Euro-Anlegern. Der Euro liefert also europäischen Anlegern einen gewissen Schutz.

Auch wenn der Euroraum nicht Japan ist, so sollten wir uns doch auf „japanische Verhältnisse“ am Rentenmarkt einstellen. Das Niedrigzinsumfeld wird uns also wohl noch einige Jahre begleiten. Chancen liegen für Euro-Anleger jenseits der Heimatmärkte, beispielsweise bei Anleihen von Unternehmen und Schwellenländern. Auch ein Blick in Richtung Aktien und passende Aktienfonds kann sinnvoll sein.
 

Bildunterschrift für Grafik:

Geringe Investitionsbereitschaft in Japan und der Eurozone     

In Japan legt der nichtfinanzielle Unternehmenssektor pro Jahr rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf die hohe Kante. In Europa gilt Ähnliches. Vor allem in Deutschland, aber auch in Spanien und in Italien ist der Finanzierungssaldo der Unternehmen positiv.

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