23. Oktober 2019 13:00 Uhr

Wer zieht den Stecker?

Prof. Dr. Max Otte
IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH


Im Januar 2018 erklärte ich öffentlich auf dem Fondskongress, dass wir vorsichtiger werden. Die fast zwei Jahre, die seitdem vergangen sind, waren allerdings durchaus respektable Jahre an der Börse. Zwar gab es Ende 2018 einen massiven Rückgang der Weltbörsen, doch der war schnell wieder aufgeholt.

Mit der Vorsicht ist es so eine Sache. Während die Indizes davoneilen, ist man selbst durch die Liquiditätsquote gebremst. Das Gedächtnis der Märkte ist kurz. Wenn Sie eine Strategie und eine klare Meinung haben, sollten Sie diese durchhalten, auch wenn es zwischendurch schmerzt. Selbst Warren Buffett war nicht dagegen gefeit, zum „alten Eisen“ gezählt zu werden, als er frühzeitig warnte. Auf einer Technologiekonferenz im Frühjahr 1998 sagte er, dass die Börsen zu hoch stünden. Das nächste Jahrzehnt werde bestenfalls unterdurchschnittliche Aktienrenditen von 3 bis 4 Prozent sehen. Bis März 2000 stiegen die Börsen von einem Hoch zum anderen. Buffett wurde von vielen abgeschrieben. Und was passierte dann? Nach dem Technologiecrash der Jahre 2000 und 2001 brauchte der S&P 500 zwölf Jahre, um sich zu neuen Höhen aufzuschwingen. Und Buffett konnte glänzen.

Die US-Märkte sind heute in Summe deutlich zu teuer. Das kommt unter anderem daher, dass die US- Konzerne sich weiterhin massiv verschulden, um eigene Aktien zurückzukaufen. Nach Daten der Bank of America erreichten die Aktienrückkaufe ein Allzeithoch.


Quelle: Bank of America, Merrill Lynch
 
Die Konzerne leihen sich zu einem Großteil über die Ausgabe neuer Anleihen Geld. Das geht, weil viele Pensionskassen Anleihen halten (müssen) und Unternehmensanleihen von „Blue Chips“ auch dann kaufen, wenn sie kaum noch Rendite abwerfen.

So befinden sich auch die Anleiheemissionen der amerikanischen Investoren auf einem Allzeithoch. Das sieht schwer nach einem Endspiel aus: Die großen Akteure leihen sich Geld und kaufen Sachwerte, Real Assets, weil die Geldwerte irgendwann abgewertet werden müssen. Die Staaten und die Private-Equity-Gesellschaften machen es ja nicht anders.


Quelle: Dealogic
 
Privatanleger können ebenfalls darüber nachdenken, sollten das allerdings nur in begrenztem Umfang tun. Die Regierungen werden Wege finden, dass Privatinvestoren ihre Schulden weiter bedienen müssen, während sich die großen Akteure entschulden.

Allerdings gilt für Investoren immer: Maß und Mitte bewahren. Selbst, wenn Sie überzeugt sind, dass morgen der Crash kommt, bleiben Sie zu einem Teil in Aktien investiert. Denn es könnte auch ganz anders kommen. Wenn die Anleiheinvestoren merken, dass sie auf das falsche Pferd gesetzt haben, könnten sie panikartig versuchen, in Aktien umzuschichten und die Preise massiv nach oben treiben. Das wäre der sogenannte Melt-up. Insgesamt ist die aktuelle realwirtschaftliche Lage für mich allerdings ein Grund zur Vorsicht.

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