04. September 2019 13:00 Uhr

Alte Brötchen, teure Brötchen?

Prof. Dr. Stefan May - Leiter Anlagemanagement
Quirin Privatbank AG


Vermutlich würden Sie, geehrter Leser, jeden Bäcker für nicht zurechnungsfähig erklären, der Ihnen alte Brötchen zu einem höheren Preis verkaufen will als frische Ware; und der Ihnen auch noch erklärt, dass dies von der Mehrzahl seiner Kunden auch akzeptiert wird. Doch es gibt eine Branche, in der sich die Sache ähnlich verhält - die Fondsindustrie.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen morgens zum Bäcker, um frische Frühstücksbrötchen zu kaufen. Im Laden stellen Sie verwundert fest, dass die Ware vom Vortag, die dort ebenfalls noch verkauft wird, um 50 Prozent teurer ist als die frische Ware. Als Sie den Bäcker auf die falsche Auszeichnung aufmerksam machen, erklärt Ihnen dieser, dass es sich dabei nicht um einen Fehler handele, sondern alles seine Richtigkeit habe: Die alten Brötchen würden aufgrund ihrer Zwischenlagerung deutlich mehr Aufwand verursachen und deshalb entsprechend teurer angeboten. Im Übrigen würden die meisten Kunden dies auch akzeptieren und bevorzugt die alten, teuren Brötchen kaufen.

Absurd? Unmöglich? Beim Bäcker sicher. Und doch gibt es eine Branche, in der seit Jahrzehnten eine ähnlich absurde Situation vorliegt - die Fondsindustrie. Nach wie vor verkaufen sich aktiv gemanagte (d.h. auf Basis kurz- und mittelfristiger Prognosen gesteuerte) Investmentfonds deutlich besser als Anlagen, welche entsprechend wissenschaftlicher Kriterien strukturiert sind. Und dies obwohl sie bis zu viermal teurer sind und eine deutlich schlechtere Wertentwicklung vorweisen.

Nun wird mancher Leser vielleicht einwenden, dass dies wohl etwas übertrieben sei: Man könne ja wohl kaum davon ausgehen, dass teure Investmentfonds grundsätzlich und systematisch eine schlechtere Wertentwicklung hätten. Schließlich seien höhere Gebühren durch aufwändige Analyse- und Researchaktivitäten verursacht, welche letztlich auch zu einer besseren Wertentwicklung führen müssten.

Und genau hier, geehrter Leser, irren Sie sich, so unglaublich dies auch scheinen mag. Die unabhängige wissenschaftliche Finanzmarktforschung belegt seit Jahrzehnten immer wieder zweierlei: Erstens, dass aktiv gemangte Investmentfonds systematisch eine schlechtere Performance vorweisen als wissenschaftlich strukturierte Anlagen und zweitens, dass in der Gruppe aktiv gemanagter Fonds die teuren genau diejenigen mit der geringsten Performance sind. Eine der neuesten Studien hierzu (vom August 2018) kommt aus dem Hause Morningstar, ein Unternehmen, welches regelmäßig die Fondsindustrie durchleuchtet.

Eines der zentralen Ergebnisse: In den letzten zehn Jahren hatten nur 20 Prozent aller aktiv gemanagten Aktienfonds eine bessere Wertentwicklung als vergleichbare, indexnahe Anlagen. Greift man nun aus der Gruppe aller aktiven Fonds jeweils die 20 Prozent teuersten und günstigsten heraus, dann zeigt sich das behauptete Ergebnis: Das Fünftel der günstigsten aktiven Fonds hatte eine Outperformance-Quote von 60 Prozent,  das Fünftel der teuersten dagegen nur 22 Prozent. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.


Quelle: De Larminat, P., Masarwah, A., 2018, Wie erfolgreich sind aktiv verwaltete Fonds? Das Morningstar Aktiv-Passiv-Barometer, Morningstar Inc. (verfügbar unter: http://www.morningstar.de/de/news/169858/wie-erfolgreich-sind-aktiv-verwaltete-fonds-das-morningstar-aktiv-passiv-barometer.aspx )

Die Zahlen zeigen, dass die eingangs erwähnte „Bäcker-Analogie“ durchaus nicht so abwegig ist. Ein wesentlicher Unterschied jedoch besteht: Schlechte Investmentfonds sind nicht so leicht zu erkennen, wie alte Brötchen.

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