28. August 2019 13:00 Uhr

Aktieninvestoren agieren zunehmend vorsichtiger

Heinz-Gerd Sonnenschein - Aktienmarktstratege
Postbank Research


Sorgen um die globale konjunkturelle Situation sind im Juli in den Vordergrund gerückt und haben zahlreiche Investoren spürbar verunsichert. Dies ist auch an der Entwicklung der Volatilitätsindizes deutlich abzulesen, die sich seit Anfang Juli auf in der Spitze Werte von 24,0 für den DAX und 22,5 für den Euro Stoxx 50 nahezu verdoppelt haben. Kurzfristig dürfte die unruhige Börsenfahrt andauern. Langfristig bleiben wir aber optimistisch für DAX und Euro Stoxx 50 gestimmt.

Der Blick auf die Kursentwicklungen von DAX und Euro Stoxx 50 zeigt, dass beide Indizes in den letzten Wochen deutlich zur Schwäche neigen. Ihr bisheriges Jahreshoch erreichten die Leitindizes am 4. Juli und zu diesem Zeitpunkt wiesen beide eine sehr gute Performance für das laufende Jahr auf. Im Vergleich zu ihren Schlussständen zum Jahreswechsel 2018/19 lagen DAX und Euro Stoxx 50 19,6 Prozent bzw. 18,1 Prozent vorne. Bis dahin konnten weder Handelskonflikte noch Brexit-Geplänkel oder Konjunktursorgen die Stimmung der Investoren für längere Zeit trüben. Dies hat sich in den folgenden Wochen augenscheinlich geändert. Von ihren Jahreshöchstständen haben sich die Indizes inzwischen um 8,1 Prozent (DAX) bzw. 5,9 Prozent (Euro Stoxx 50) entfernt.

Die Risikowahrnehmung vieler Investoren hat sich im Vergleich zum 1. Halbjahr grundlegend verändert. Während damals die Risken zwar alle schon bekannt waren, ließen sich viele Anleger von ihnen nicht verunsichern. Die Hoffnung, dass alles gut ausgehen werde, überwog. Sie trugen buchstäblich eine rosarote Brille. Aktuell reagieren sie dagegen sensibel auf alle negativen Nachrichten und positive Meldungen hinterlassen nur zeitweilig einen Nachhall in den Börsensälen. Konjunktursorgen dominieren momentan das Bild. Gewinnwarnungen zahlreicher namhafter europäischer Konzerne, die weiterhin ungelösten Handelskonflikte der USA mit China oder der EU und ein möglicher No-Deal-Brexit verunsichern viele Investoren. Die Nervosität ist auch an der Entwicklung der Volatilitätsindizes seit Anfang Juli klar erkennbar. Das Angstbarometer für den DAX ist in diesem Zeitraum deutlich von 12,7 auf in der Spitze 24,0 Punkte angesprungen. Beim entsprechenden Pendant für den Euro Stoxx 50 war der Anstieg von 11,8 auf 22,5 Zähler vergleichbar kräftig. Aktuell notieren die VDAXnew sowie VSTOXX zwar nur noch bei 20,5 bzw. 19,9 Punkten. Diese Wertverringerung signalisiert aber noch kein Ende der Unsicherheitsphase an den Märkten. Dies zeigen auch die Marktreaktionen vom Freitag letzter Woche, als China und die USA mit neuen Zollandrohungen eine weitere Eskaltionsstufe im Handelskonflikt zündeten.

Nach unserer Einschätzung dürfte kurzfristig die insgesamt eher zurückhaltende Einstellung der Investoren andauern. Denn weder eine Beilegung der Handelskonflikte, noch ein Deal-Brexit scheinen rasch erreichbar zu sein. Auch das lange Warten auf die Fed bleibt ein beherrschendes Thema. Eskaliert der Aktienmarkt-Schock noch weiter, werden „emergency meetings“ wahrscheinlicher, eventuell reicht auch eine deutliche Kommunikation von Fed und EZB zur potenziellen Unterstützung der Konjunktur bzw. der Finanzmärkte. Außerdem haben Donald Trump und Boris Johnson auch das Potenzial für hoffentlich positive Überraschungen. Daher erwarten wir kurzfristig eine Fortsetzung dieser nervösen Schaukelbörse. Sollte es Ende Oktober zu einem No-Deal-Brexit kommen, besteht sogar das Risiko, dass die Notierungen noch etwas nachgeben. Die insgesamt noch moderaten Bewertungen von DAX und Euro Stoxx 50 gemessen an ihren Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf Basis der Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate sollten das Kursrisiko aber begrenzen.

Langfristig bleiben wir allerdings optimistisch für Aktien gestimmt und erwarten DAX und Euro Stoxx 50 auf Jahressicht im Bereich von 12.300 bzw. 3.450 Punkten.

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