03. Juli 2019 13:00 Uhr

Perspektiven für das zweite Halbjahr 2019: von Liquidität überflutete Börsen!

Carsten Mumm - Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

Die gravierendste Fehleinschätzung im Vorwege des Jahres 2019 betraf zweifellos die Europäische Zentralbank EZB und die US-Notenbank Fed. Noch im 4. Quartal des letzten Jahres wurde allgemein mit Leitzinsanhebungen in den USA gerechnet. Gut sechs Monate später liegt die Markterwartung bei mindestens drei Leitzinssenkungen für das zweite Halbjahr. Von der EZB wurden nach der Beendigung der Nettowertpapierkäufe ab Januar zwar kaum weitere restriktive Schritte erwartet. Dass seit Mitte Juni jedoch eine Senkung des ohnehin schon negativen Einlagenzinses für Banken und ggf. die Wiederaufnahme der Wertpapierkäufe in der Diskussion stehen, hatte kaum jemand im Blick. So waren die bemerkenswerten Kehrtwenden der beiden Notenbanken die entscheidenden Impulse für die unerwartet deutliche Rallye der internationalen Aktienmärkte im ersten Halbjahr 2019. Gleichzeitig wurde die Verzinsung einer zehnjährigen Bundesanleihe unter die historischen Tiefststände von Mitte 2016 getrieben und Gold notiert auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren.

Wie sind vor diesem Hintergrund die Aussichten für die zweite Jahreshälfte? Die fundamentale Situation der Weltwirtschaft hat sich weiter eingetrübt. Dabei wurde der zyklische Abschwung nach der Boomphase 2017 durch diverse politische Einflussfaktoren erheblich beschleunigt. Vor allem die immer weiter eskalierenden Handelskonflikte bewirkten eine gestiegene Verunsicherung und somit einen Rückgang von Exporten, Investitionen und zunehmend des Konsums. Daran ändert auch die Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen China und den USA sowie der vorläufige Verzicht auf weitere Zölle nach dem G20-Treffen Ende Juni vorerst nichts. Sollte es in den kommenden Wochen nicht zu nennenswerten Fortschritten kommen und zusätzlich noch ein harter Brexit sowie ggf. weitere Eskalationen im Nahen Osten hinzukommen, besteht die konkrete Gefahr einer Rezession in Deutschland und Europa. Nur die Annahme eines glimpflichen Verlaufs aller genannten Problemfelder rechtfertigt die Erwartung einer stärkeren wirtschaftlichen Belebung nach einem voraussichtlich negativen zweiten Quartal für das deutsche Wirtschaftswachstum.

Dass in diesem Umfeld die ohnehin schwache Inflation anzieht, ist kaum zu erwarten. Damit haben die Notenbanken die Rechtfertigung ihre Geldpolitik tatsächlich wieder expansiver auszurichten. Deutlich steigende Zinsen bei Bundesanleihen sind somit sowohl bei kurzen als auch bei langen Laufzeiten kaum zu erwarten. Gold dürfte nach dem zwischenzeitlichen Durchstoßen des Widerstandes von 1.400 US-Dollar und angesichts der allgegenwärtigen Unsicherheiten gefragt bleiben. Ob die Aktienmärkte allerdings noch einmal eine dem ersten Halbjahr vergleichbare Wertentwicklung verzeichnen können, ist vor dem Hintergrund der realwirtschaftlichen Situation höchst fraglich.

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