05. Juni 2019 13:00 Uhr

Heißer Sommer am Ölmarkt

Thomas Scholz - Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

 
Ende November 2018 hatten die USA ihre bis jetzt härtesten Wirtschaftssanktionen gegen den Iran in Kraft gesetzt. Seit dem 2. Mai sind nun die Ausnahmeregelungen für acht Länder wie China, Indien und die Türkei, die weiterhin iranisches Öl beziehen durften, hinfällig. Allein die Ankündigung des Weißen Hauses Ende April, die Ausnahmeregelungen auslaufen zu lassen, sorgte für einen kräftigen Anstieg des Ölpreises auf knapp 75 US-Dollar je Fass der Marke Brent - 41 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn 2019. Und das könnte noch nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein.

Für den Iran bedeuten die verschärften US-Sanktionen einen Rückgang der Ölförderung um etwa 600.000 bis 700.000 Fässer pro Tag. Saudi-Arabien, der größte Erdölexporteur der Welt, könnte zwar die Lücke füllen. Doch das Land will seinen Staatshaushalt ausgleichen. Dafür muss der Ölpreis auf knapp über 80 US-Dollar je Fass steigen. Daneben fehlen täglich 400.000 Barrel Öl aus Venezuela, das ebenfalls mit US-Sanktionen belegt wurde. Auch die anderen sogenannten OPEC+-Staaten* verknappen ihr Ölangebot, um rentabler fördern zu können.

Neben dem verknappten Angebot dürfte die saisonal große Nachfrage im dritten Quartal für höhere Preise sorgen. Sollte es in dieser Gemengelage zu weiteren unerwarteten Angebotsausfällen kommen, beispielsweise beim Ölproduzenten Libyen, könnten die Höchststände aus dem vergangenen Jahr von rund 85 US-Dollar pro Fass der Sorte Brent-Öl sogar kurzzeitig übertroffen werden.
Dieses Szenario wäre sehr schädlich für die sich zaghaft erholende Weltwirtschaft. Die schnell steigenden Ölpreise würden einige Länder und Industrien, die Öl benötigen, stark belasten. Als Folge könnte insbesondere in Schwellenländern die Ölnachfrage zurückgehen. Darum dürfte ein solcher Ölpreisausschlag nicht von langer Dauer sein. Dafür sorgt auch die OPEC+ selbst. Nigeria, Kuwait oder Russland möchten ihre Produktion im weiteren Jahresverlauf erhöhen und könnten nach der OPEC-Sitzung Ende Juni aus den Kürzungsvereinbarungen ausscheren. Saudi-Arabien dürfte ebenfalls den Hahn wieder aufdrehen, sobald die Marke von 80 US-Dollar überschritten wird.

Im zweiten Halbjahr könnten auch die US-amerikanischen Schieferölproduzenten mehr Öl anbieten, und die saisonal bedingte hohe Nachfrage dürfte nach dem Spätsommer zurückgehen. Dies könnte das Angebotsdefizit im dritten Quartal bis zum Jahresende auflösen und Druck auf den Rohstoffpreis ausüben.

Kurzum: In den nächsten Monaten kann es durchaus zu einem deutlichen Ölpreisanstieg, sogar einem Überschießen des Preises kommen. Einen Ölpreisschock mit weitreichenden, langfristig negativen Folgen für die Konjunktur, wie beispielsweise im Jahr 2008, ist jedoch nicht zu erwarten. Denn nach einer deutlichen Preisspitze sollte die Ölnotierung im Verlauf des zweiten Halbjahres unter Schwankungen zurückgehen. Bis zum Jahresende dürfte sich die Ölnotierung wieder der Marke von 70 US-Dollar für ein Fass Brent annähern.

* OPEC+: Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) gemeinsam mit weiteren kooperierenden Staaten.



Ölmarkt rutscht durch Iran-Sanktionen ins Defizit    

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