16. Januar 2019 13:00 Uhr

Globale Konjunktur am Scheideweg: Die Politik wirkt erdrückend…

Carsten Mumm - Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

Die gerade veröffentlichten November-Daten zur Industrieproduktion in der Eurozone unterschritten mit einem Minus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr die ohnehin negativen Erwartungen der Analysten. Einen stärkeren Rückgang der Industrieaktivitäten gab es zuletzt im Zuge der letzten Rezession im Dezember 2012. Die deutsche Industrieproduktion sank seinerzeit im November sogar um 5,1 Prozent im Vorjahresvergleich.

Damit spiegeln sich die schon länger zunehmenden Hinweise auf eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik nun auch in den Produktionszahlen wider. Wichtige vorlaufende Indikatoren zum Verhalten und der Stimmungslage von Unternehmen – in Deutschland beispielsweise der ifo-Geschäftsklimaindex und die Auftragseingänge – und Konsumenten verschlechterten sich sukzessive bereits seit Anfang 2018. Ähnliche Signale zeigen sich global und seit wenigen Wochen auch zunehmend in den USA.

Die Handelskonflikte wirken weltweit belastend. Vor dem Hintergrund unsicherer Absatzmöglichkeiten verschieben Unternehmen Investitionen. Andere haben mit zollbedingt steigenden Kosten zu kämpfen, beispielsweise die US-Automobilindustrie, die ebenfalls auf die Anschaffungsneigung drücken. In den USA kam zuletzt die Haushaltssperre hinzu, die angesichts der schon heute außergewöhnlichen Länge sowohl den Konsum wegen fehlender Gehaltszahlungen, als auch Investitionen aufgrund stockender Auftragsvergaben und verspäteter Auszahlungen von staatlichen Investitionshilfen belastet.

In Europa wirken ebenfalls weitere – vor allem politisch bedingte – Faktoren, wie die immer wieder aufkommenden Sorgen um den Zusammenhalt der Eurozone und der völlig unberechenbare EU-Austrittsprozess Großbritanniens. In Deutschland dämpfen der immer deutlicher werdende Fachkräftemangel und die Probleme der Automobilindustrie durch die Umstellung auf neue EU-Vorgaben sowie die Absatzkrise bei Dieselfahrzeugen die Produktion.

Die Liste ließe sich fortführen. Aktuell wirkt eine außergewöhnliche Fülle an politischen Entwicklungen negativ auf viele in 2018 noch dynamisch wachsende Volkswirtschaften. Dabei haben einige das Potenzial, nicht nur regional oder branchenspezifisch, sondern global das Wachstum erheblich zu schwächen.

Anleger sollten vor diesem Hintergrund zunächst weiter vorsichtig agieren. Es ist noch nicht sicher, dass an den internationalen Aktienbörsen die Tiefpunkte bereits erreicht sind. Gerade politische Prozesse zeichneten sich in den letzten Jahren durch eine stark zunehmende Unkalkulierbarkeit aus und hatten gleichzeitig teils massive Auswirkungen auf das Börsengeschehen. Es ist daher sinnvoll, zunächst eine hoffentlich im Laufe der kommenden Monate einsetzende Beruhigung der unübersichtlichen Lage abzuwarten.

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