28. Februar 2018 13:00 Uhr

Wilde Zeiten und Schwarze Schwäne

Dr. Wilhelm Berghorn, Geschäftsführer
Mandelbrot Asset Management GmbH

 
Die jüngsten Kurskapriolen im Februar haben Hektik an den Börsen ausgelöst. Während die Aktienmärkte nur etwas stärkere Kursverluste hinnehmen mussten, ereignete sich bei gewissen Volatilitäts-Strategien ein sogenannter „Schwarzer Schwan“ - ein höchst seltenes Ereignis mit extremen Konsequenzen. Nachstehendes Beispiel zeigt, dass ein guter Trackrecord zur Abschätzung der Risiken einer Investmentstrategie allein oftmals nicht ausreicht.
 
Volatilitäts-Strategien, bei denen Anleger auf eine Beruhigung der Börsen setzten, genossen bei den Investoren während der letzten Jahre  bei zurückgehender Volatilität an den Märkten großen Zuspruch. Der erfreuliche Wertzuwachs war Treiber für die erheblichen Mittelzuflüsse.
 
Ein gutes Beispiel ist der im Chart gezeigte Fonds. Hier konnten, unter Inkaufnahme von Schwankungen, seit 2011 außergewöhnlich hohe Renditen vereinnahmt werden. Man muss auf der Grafik schon genau hinsehen um zu erkennen, dass die Investoren diesen großen Zugewinn an nur einem einzelnen Tag vollständig wieder abgeben mussten. Und es bestand auch keine Chance, nur ansatzweise auf diese Entwicklung zu reagieren – in Zahlen: Schlusskurs am 05.02.18 noch 99 USD, Eröffnungskurs am Folgetag 10,49 USD – ein Verlust von rd. 89% und damit eine Eliminierung des Zuwachses aus mehr als 7 Jahren an nur einem einzigen Tag.

Grafik: ARIVA.DE, VelocityShares Daily Inverse VIX ETN (Credit Suisse) – das Produkt ist im Februar vom Markt genommen worden.


Der Statistiker und Essayist Nassim Taleb hat für das Dilemma des Risikomanagements in solchen Situationen eine passende Parabel geschaffen:
 
Stellen wir uns einmal vor, dass ein Truthahn täglich sein Gewicht misst. Er wird regelmäßig gefüttert und das Gewicht nimmt unter Schwankungen zu. Nun schätzt der Truthahn mathematisch das Risiko ein, dass er massiv Gewicht verlieren könnte und findet, dass der bisherige Verlauf seiner Gewichtsentwicklung absolut keinen Anlass zur Beunruhigung bietet. Aber dann kommt „Thanksgiving“ - für den Truthahn völlig überraschend, ohne Vorwarnung und zudem für den Truthahn mit extremen Konsequenzen.
Ändert man allerdings die Perspektive und betrachtet dieses Szenario aus der Sicht des Farmers, dann wird klar, dass „Thanksgiving“ passieren konnte. Völlig analog verhält es sich mit der Bewertung von Anlagestrategien: Investoren sollten besser versuchen, eher Farmer als Truthahn zu sein.
 
Wichtig ist hierbei, die Mechanismen der Strategie im Grundsatz zu verstehen. Der Anleger sollte sich stets fragen: Kann etwa  mein Anlagekonzept auf bekannte und belegte Investment-Strategien zurückgeführt werden und greifen eventuell Sicherungsmaßnahmen, die unter Stress-Situationen an den Börsen den gegenteiligen Effekt haben?
 
Der Autor Dr. Wilhelm Berghorn ist Geschäftsführer der Mandelbrot Asset Management GmbH und erarbeitet Anlagelösungen, die auf den Erkenntnissen des Mathematikers Mandelbrot zum Momentum-Effekt fußen. Sie erbringt Anlageberatung über Finanzinstrumente und die Anlagevermittlung ausschließlich für Rechnung und unter Haftung der DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand GmbH als vertraglich gebundener Vermittler gem. § 2 Abs. 10 KWG und ist im öffentlichen Register der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingetragen.

 

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